Universum der Dinge - Kerstin Abraham
21970
portfolio_page-template-default,single,single-portfolio_page,postid-21970,ajax_fade,page_not_loaded,,select-child-theme-ver-1.0.0,select-theme-ver-4.6,wpb-js-composer js-comp-ver-5.2,vc_responsive
»Universum der Dinge« »Universum der Dinge«, Detail

Universum der Dinge

Terrine, Fayence

 
2010 hatte ich während einer Arbeitsperiode im EKWC Hertogenbosch Gelegenheit, mich sowohl der Entwicklung von verschiedenen weißen Fayenceoberflächen zu widmen, als auch das Oval als Form zu untersuchen. Obwohl wir alle zu wissen glauben, wie ein Oval aussieht, gibt es doch unendlich viele Möglichkeiten eines zu bilden. Ein Oval entsteht über die Dehnung eines Kreises über die gespiegelte Mittelachse. So einfach – so kompliziert.
 
Neben einer sich an Zweidimensionalität anschmiegenden Lösung (1) habe ich eine Urform für Terrinen vollplastisch aus Ton ausgeführt.
 
Die 0,8 m lange Urform gab den Kern für die Abformung eines universellen Terrinen Rohlings her, den ich insgesamt vier mal benutzte. Durch Modifikation der Grundform, plastische Ergänzungen (Henkel, Griffe) und verschiedene Fayencemalerei entstanden daraus vier Unikate. Drei Deckelterrinen (mit Musterbuch Malerei) und eine offene Form.
 
Die offene Form ähnelt mit ihrem in Wellen geschnittenen Rand historischen Gläserkühlern (2) für festliche Anlässe, die wir aus Frankreich kennen. In die Fayence habe ich Wörter gemalt, gelegentlich über Korrekturen.
 
Außen: wir sind nie | modern gewesen.
Innen (auf dem Boden): Mathematiker | Hegelianer | Kantianer | Ingenieure | Verwalter | Alchimisten | Katholiken | Militanten
Innen (an den Wänden): Steine | Instrumente-Laudatinnen | Bazillen | das Unbewußte | Maschinen | Wolken | Konventionen | ein Regenwurm | Backofen | Denker | ein Virus | eine Ratte | ein Fels | ein See…
 
Meine Terrine umschließt das Latoursche Universum der Dinge, in dem nichts auf etwas reduziert werden kann, nichts von etwas abgeleitet, und alles miteinander verbunden ist. (3)

(1)

der Installation »Über Malerei«, die aus einem Korpus von neun ovalen Platten (je 1,03 m lang) mit Häuten aus verschieden weißen Fayencen besteht.

(2)

höfisch, Frankreich, 18. Jahrhundert.

(3)

Bruno Latour, geb.1947 in Baune, Träger des Kulturpreises der Münchner Universitätsgesellschaft 2010, ist Soziologe und Philosoph, lehrt in Paris. Er ist Vertreter der Akteur-Netzwerk Theorie. Sein soziales Konstrukt schließt nichtmenschliche Akteure ein.

Fotos

01. »Universum der Dinge« 02. »Universum der Dinge«, Detail 03. Katalog »clay body«, Brunsbüttel

Date

20. Februar 2014

Category

eigene Fayence, Materialstipendium, Traveling Painter, Work