Installation »Esser« - Kerstin Abraham
In der Installation »Esser« 2001 realisiert die Künstlerin auf den ersten Blick ein formal und narrativ strenges Konzept. Auf unterschiedlich langen
Wandregalen sehen wir Vorratsdosen eines Typs, einer traditionellen Form.

Installation
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Esser, Flensburg Detail Esser, Flensburg Detail, ABRAHAM. ESSER Booklet Selbstverlag der Künstlerin 200 Exemplare Layout Horst Bartels mit Beiträgen von Simone Back, Andreas von Randow

Installation »Esser«

In der Installation »Esser« 2001 realisiert die Künstlerin auf den ersten Blick ein formal und narrativ strenges Konzept. Auf unterschiedlich langen
Wandregalen sehen wir Vorratsdosen eines Typs, einer traditionellen Form.
 Die unterschiedliche Länge der Regale definiert sich durch die
unterschiedliche Anzahl von Vorratsdosen, die auf ihnen zu stehen kommen.
Das kürzeste Regal besteht aus drei Dosen, das längste aus neun Dosen. Die
unterschiedliche Anzahl der Dosen ist bedingt durch die Wörteranzahl eines
jeweiligen Verses eines Gedichtes von Bert Brecht in einer überarbeiteten
Fassung von Heiner Müller. Jedes Wort aus diesem Gedicht steht auf einer
einzelnen Dose: 132 Dosen. 23 Verse hat das Gedicht, die Installation hat
 23 Regale. Der kleinste Vers lautet »Das ABC heißt«, der längste Vers lautet: »Und Du sollst verschwinden wie der Rauch am Himmel« . Dosen mit
Schriftzügen, man erwartet Mehl, Zucker, Graupen, Salz, Reis, Erbsen u.ä.,
sind aneinandergereiht kein naheliegendes Medium für einen geschlossenen,
gebundenen Text. Sondern jede einzelne Dose »Mutter«, »Daß«, »Hackfleisch« wird als eine Benennung des jeweils verschieden gedachten Inhaltes angenommen. Die Dosen sind leer. Die Regale, Verse, haben eine gewisse
 Zügigkeit durch das Nebeneinander und stehen stark als Parole, als Satz im
Raum, »Wir wollen nicht aus deinem Haus gehen«, »Daß ihr zu Präsidenten ausersehen seid« , »Die Esser sind vollzählig«. Für den Betrachter der Installation, der in diese hineingehen muß ist der Reiz groß, eine Vorratsdose z.B. «Hackfleisch« aus dem Regal zu nehmen und durch z.B. die Dose »unverbindlich« zu ersetzen. Ein spielendes, eigene Ordnungen setzendes Aktionsbewusstsein setzt beim Rezipienten ein und er bringt die
starre Ordnung des künstlerisch poetischen Textes schnell und völlig
durcheinander. Auf einmal schwingen andere Inhalte mit und die Schwere des
mit Bedeutung belasteten Gedichts löst sich auf in immer neue Texte. So
kann auch ein Text gedacht zum Fragment werden, er kann Ruine seiner
ursprünglichen Schönheit und Bedeutung werden.

Autor

Andreas v. Randow (Textauszug)

Fotograf

Dirk Reinarts

Fotos

01. Kandinskis, Bogler, Referenz 02. »Esser«, Hamdorf 03. »Esser«, Detail 04. »Esser«, Flensburg Detail 05. »Esser«, Flensburg Detail 05. »ABRAHAM. ESSER«,Booklet, Selbstverlag der Künstlerin, 200 Exemplare, Layout Horst Bartels, mit Beiträgen von Simone Barck, Andreas von Randow

Date

19. Februar 2018

Category

Disappear, Work