2010, March

Homeland

Die Installation «home land» ist 1993 für Magdeburg produziert worden, für spezielle Kunsträume im säkularisierten Kloster «Unser Lieben Frauen», das in der DDR-Zeit, die nationale Sammlung für Kleinplastik beherbergte.
Hier ist eine Art Schutzraum entstanden, oder aber eine Zelle,
Gefängniszelle, Klosterzelle, in die in linearem Arrangement Objekte auf
Simsen an den Längßeiten platziert sind. Der Raum ist durch
Maschendrahtzäune an den Schmalseiten begrenzt. Die Keramik-Objekte werden
auf den Simsen in einer nicht unmittelbar erkennbaren Erzählordnung
erlebbar. Nicht alle Objekte sind auf den Simsen, auch auf dem Boden und
den Wänden gibt es hin und wieder ein Objekt und nicht alle Objekte sind
aus Keramik, einige sind aus Papier, sind Texte, Skizzen.
Der Schutzraum aßoziiert auch Kiste, Lagerraum, Abstellraum. Der den Raum
begehende Betrachter kann, muß viele Entdeckungen machen. Er muß Kontexte
erschließen, Beziehungsachsen herstellen. Er ist gehalten, aus
Textfragmenten unterschiedlicher Autoren Reflexionen auf die
Keramikobjekte zu übertragen. Der ganze Raum ist ein komprimiertes
ästhetisch-künstlerisches , bildungs-geschichtliches Rätsel mit vielen
Varianten und durch die Verknüpfbarkeit der Varianten mit einer endlosen
Möglichkeit der Texterstellung. Die plastischen keramischen Dinge wie
Haus, Thron, Gefäß, Bett, Stuhl, Gerät u.a.m. müßen sich in der
Installation ihre Geschichten suchen. Sie sind Bestandteile, Repertoire
einer Sinngebung, die durch Skizzen und Textfragmente gelenkt wird.
Die Installation «home land» ist in all ihren Facetten ein exemplarischer
Fall von Installationskunst. Die Setzungen der Künstlerin sind vorgegebene
Parameter, die den Betrachter verwandeln in einen Schöpfer, der in der Not
ist, sich seinen Sinn zu bauen. Eine offene Form des Kunstwerkes, mit
Wegungen der Bedeutungen, die zumindest mathematisch-numerisch in die
Unendlichkeit verweisen.

Andreas v. Randow (Textauszug)

Foto: Bernd Kuhnert


Homeland.