2010, March

Todesduell

Schon in ihren ersten beiden großen Installationen wird die Methode von Kerstin Abrahams installativem Arbeiten sichtbar. Narrativität und
Literarizität sind Kerne ihres künstlerischen Schaffens. Die rhetorischen
Figuren ihres Arbeitens sind verwandelt in Objekte, in Zeichnungen, in
plastische Anordnungen. Methoden des barocken allegorisch-emblematischen
Tuns sind konstituierend. Verweise, Bilder, Zitate, Handlungen und Appelle
erschließen sich ganz unmittelbar aus der Komposition.
Die Installation «Todes Duell» ist 1994 für das Landeskulturzentrum Salzau angefertigt worden. Sie wurde speziell für und in den Raum «Turmzimmer» gearbeitet. Die Installation mit dem vermeintlich düsteren Titel aus dem Umkreis der Motivik des Totentanzes, die auf einem Text «Todes Duell» von John Donne beruht, genau genommen auf einer Heiner Müller übersetzung dieses Textes, versammelt in einem hübschen, neobarockisierten Turmzimmer eine Reihe ganz verschiedener Objekte, die in diesem hellen, lichten Raum
alle sehr präsent sind, Texte, Keramik-Objekte, Zeichnungen, getrocknete
Pflanzen (teils auf Schnüren gereiht, teils an den Wänden wie zum Trocknen
aufgehängt) . Der Zusammenhang aller in den Raum applizierten Gegenstände
kündet mehr von Leben als vom Tod, wenn wir davon ausgehen, dass
menschliche organische Substanz im Lebenszusammenhang vergeht und der Tod
ständig anwesend ist, dann ist die Dialektik von Tod und Leben natürlich
jedem erzählenden Gegenstand immanent und es gereicht dem Textbezug und
dem Titel letztlich nicht zum Widerspruch, dass die Künstlerin «ein sehr
lichtes vor allem heiteres Kabinett» (K.A.) geschaffen hat. Den
Gegenständen, Skizzen und Bildern, die im lichten Rund versammelt sind,
wohnen Anfang und Ende, Aufstieg und Abstieg, Energie und Schwäche inne:
Leben auch als Kreislauf mit immer neuen Anfängen, mit immer neuen
Schlüssen.

Andreas v. Randow (Textauszug)


Todesduell.
Todesduell.
Todesduell1.